Die Geschichte eines Obdachlosen, der zum Kinderbuchautor wurde
Von der Straße in die Buchhandlung

Benjamin Nover (29) zusammen mit seiner Frau Nicole Nover (20). In ihren Händen die neuste Lobodot-Puppe.
„Malen kann ich überall. Ich lege mir ein Holzbrett auf die Beine und lege los“, erzählt Benjamin Nover (29), wenn er über seinen beruflichen Alltag spricht. Doch alltäglich ist im Moment gar nichts für den ehemaligen Obdachlosen und seine 20-Jährige Frau Nicole. Mal stehen die Beiden in der Fußgängerzone und versuchen ihre Bücher an den Mann zu bringen, mal tingeln sie durch die Buchhandlungen im Zuge ihrer Lese-Tour. „Alles Neuland für mich“, betont der gebürtige Niederländer mit glänzenden Augen und lässt keinen Zweifel offen, dass ihm seine Arbeit sehr viel Spaß bringt.
Die Geburtsstunde der Lobodots
Benjamins Leben könnte ebenfalls Inhalt eines Buches sein. Langjährige Mitgliedschaft in einer fanatischen Glaubensgemeinschaft oder „Sekte“ wie er es nennt, in der Psychodruck an der Tagesordnung war. Danach die 5-jährige Obdachlosigkeit. Aber zerbrochen ist er nie daran. Ganz im Gegenteil. In dieser harten Zeit entstanden die ersten Lobodots. Das ist der Name seiner Cartoon-Figuren, von denen es mittlerweile mehr als 300 gibt. „Am Anfang habe ich über das harte Leben auf der Straße gemalt“, erzählt Nover und deutet dabei auf seinen ersten Kalender. „Es waren Wortspielereien, die mir aber irgendwann zu negativ wurden.“ Neben dem Kalender veröffentlichte er seine Geschichten erstmals in der Straßengazette und erntete Erfolg dafür.
Von der Straßenzeitung zum Kinderbuch
Zwar sind es jetzt auch noch die Lobodots, die die Helden seiner Geschichten darstellen, aber mittlerweile schreibt und illustriert der 29-Jährige Kinderbücher. Erwartungsvoll blickt Benjamin Nover zwischendurch auf die Uhr. „Mal schauen, ob der Karton mit meinem neuen Buch jetzt schon in der Buchhandlung angekommen ist.“ Darin geht es um Jonas- einen kleinen Jungen, der viel Unfug im Kopf hat. Nachdenklich erklärt Nover: „Jonas Mutter reagiert, allerdings richtig. Im Gegensatz zu meiner eigenen Mutter damals.“ Also auch ein Ratgeber für Eltern? „Auf jeden Fall können Eltern davon auch noch etwas lernen.“
Der Wandel kam mit der Buchmesse
Gerechnet hatte wohl niemand damit, dass sich tatsächlich ein Verlag finden würde, der den damals Obdachlosen unter Vertrag nehmen würde. „Ich bin einfach auf gut Glück dorthin.“ Doch das Unglaubliche geschah im März 2009 auf der Frankfurter Buchmesse und änderte sein Leben vollständig. Schnell wurde die Presse auf ihn aufmerksam. Interview- und Fernsehtermine wurden von da an Teil seines Alltags.
Der Dauercamper
Obwohl Benjamin Nover und seine Frau mittlerweile in den Wintermonaten eine kleine Wohnung in Darmstadt bewohnen, sind die beiden doch lieber mit ihrem Zelt unterwegs. „Die eigenen vier Wände schränken auch die Kreativität ein.“ Und bereits damals war das harte Leben auf der Straße nicht so schlimm für den 29-Jährigen:„Ich sah mich eher als Dauercamper, nie wirklich als Obdachloser.“ Die örtliche Ungebundenheit ist für Nover also ein absoluter Vorteil in Hinblick auf sein kreatives Schaffen. Und die Geschichten fallen ihm meistens auf der Straße ein. „Ich könnte mir schon vorstellen, mal einen Bauwagen zu besitzen, aber ein Haus möchte ich nicht.“ erzählt der junge Autor, wenn er über mögliche Zukunftspläne spricht.
Kreative Projekte auf allen Ebenen
Und auch beruflich steht noch Einiges an. Neben mehreren Büchern, die mittlerweile erhältlich sind, stellt das Ehepaar auch Lobodots-Puppen und Spiele her. Und sogar eine Ausstellung seiner Comicbilder ist in Planung. „ Zurzeit schreibe ich auch an meiner Biographie. Mal mehr, mal weniger intensiv.“ erzählt Benjamin Nover. „Ich hoffe, dass ich irgendwann vollständig davon leben kann, aber der erste Schritt in die richtige Richtung ist getan.“
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